Kategorie-Archiv: SEM

Ne Gute Idee reicht nicht mehr

Marketing ist das Tummelfeld für Texter, Grafiker, Illustratoren oder Konzeptioner. Ist das wirklich so? In manchen Werbeagenturen vielleicht. Die Marketing-Abteilungen von Unternehmen hingegen sehen völlig anders aus. Dort werden Strategie- und Kommunikationsprozess-Profis gesucht. Warum? Der ROMI (Return of Marketing Investments) bestimmt den Alltag der Vermarkter. Und um diesen messen zu können, gibt es immer mehr Technik.

SFA, CRM, ERP, SEO, SEA, Content Management, Social Media Monitoring, Social Media Management, Marketing Automation, Opportunity Management, usw. usw. usw. Die Liste der Technologien und Datenverarbeitungsplattformen im Marketing ließe sich beliebig verlängern. Warum um Gottes Willen ist das alles nötig, wird sich der eine oder andere Fragen. Als ich mein Unternehmen gründete, gab es ca. 6 relevante Kommunikationskanäle. Telefon, Fax, Zeitungen, Post, Fernsehen und sogenannte Out-of-Home-Werbeflächen. Es war die Zeit der Massenwerbung. Heute ist es anders: Fast alle Unternehmen bemühen sich, „relevante Inhalte“ an die Zielgruppe zu kommunizieren. Es gilt, genau die Inhalte an die Zielperson auszusteuern, die sie interessieren. Denn genau diese Inhalte sind im Kaufprozess notwendig, um sie zu „konvertieren“ (wie es die Marketing Profis heute nennen). Dazu ist es notwendig, über alle Kommunikationskanäle sämtliche Informationen zu sammeln. Welche Seiten hat der Kunde auf meiner Webseite geklickt? Was hat es sich runtergeladen? Welche Kommentare gibt es auf meinen Social Media Plattformen oder welche eMails hat er geöffnet? Alle Kommunikationskanäle müssen überwacht, analysiert und ausgewertet werden. All diese Informationen geben genaue Informationen über die Interessenslage des Kunden und über die Position im Kaufentscheidungsprozess. Im Gegensatz zu früher nutzen viele unserer Kunden mittlerweile zwischen 30 und 60 Kommunikationskanäle. Diese so zu managen, dass man die Zielperson über jeden Kanal verfolgen und  zur richtigen Zeit mit der richtigen Information überzeugen kann, ist die große Herausforderung. Das Ziel: Die 360 Grad Kundenkommunikation! Egal über welchen Kanal der Kunde kommt, er bekommt nur das, was für ihn Sinn macht! Das hat viel mit dem Aufbau und der ständigen Überprüfung von Kommunikationsprozessen zu tun. Längst haben sich auch Prozessoptimierer dem Thema Marketing gewidmet. Wer also ins Marketing will, muss heute mehr wissen als je zuvor. Das beantwortet die Frage, warum, um Gottes willen all diese Technik nötig ist. Technisches Grundverständnis über die Online-Kanäle ist eigentlich Pflicht. Aber keine Sorge – eines ist geblieben: Am Anfang steht immer noch eine gute Idee! Sie wird nur dann zum zählbaren Erfolg wenn Sie die Zielperson zur richtigen Zeit über den relevanten  Kanal erreicht.

Wie Sie mit Google in einen Bieterwettstreit für Ihren eigenen Firmennamen geraten!

Google bashing ist ja heute Mode! So wie es in den 90-ern hip war, Microsoft als große Bedrohung aufzupumpen oder in den 80-ern IBM. Google die Datenkrake! Bisher hatte ich da eine Art Beißhemmung. Verdiene ich doch Geld mit Leadgenerierung im Web. SEO, SEM, Online Media planen, Webseiten programmieren, Marketing Automation – das ganze Programm.

Jetzt hat Google mir aber, wie die Bayern sagen würden „des Kraut ausgschütt‘!“ Was ist passiert? Warum zähle ich mich plötzlich zu den Kritikern und Mahnern? Es ist etwas passiert, das hätte ich niemals für möglich gehalten: Google verdient mit dem Namen meiner Firma Geld! Wie?

So verdient Google mit IHREM guten Namen Geld !

Meine Agentur besteht seit 20 Jahren. Und in dieser Zeit habe ich viel Zeit, Mühen und vor allem Geld in den Aufbau der Firma und des Namens gesteckt. Was ich nicht für möglich gehalten habe ist, dass Google nun mit diesem Namen Geld verdient. Wie soll das denn gehen, werden Sie fragen? Ganz leicht: Ein Wettbewerber von uns  hat offensichtlich beim Thema Marketing Automation Nachholbedarf. Also haben sich die SEO/SEM-Leute dieser Agentur angesehen, wer da schon ganz gut positioniert ist. Zum Beispiel wir! Was sie jetzt tut, ist Werbung einbuchen, wenn jemand nach unserem Firmennamen sucht. Wenn man also unseren (alten) Firmennamen (Woelke von der Brüggen GmbH – oder Teile davon) eingibt, ploppt ringsum Werbung dieser Agentur mit allen Schlagwörtern zum Thema Marketing Automation oder Leadgenerierung im Web auf. Das ist doch nicht möglich, werden Sie denken. Dachte ich auch. Intensive Recherchen haben ergeben, dass Google es zulässt, solange der Name nicht Teil der Web-Einblendungen ist. Wenn ich also verhindern will, dass unser Wettbewerber als Werbung überall auftaucht, wenn man UNSEREN Namen eingibt, muss ich einfach nur eines tun: Mehr auf meinen EIGENEN Namen bieten. Wo? Natürlich bei Google. Logisch, dass Google das nicht verbietet. Sind sie doch die Einzigen, die etwas davon haben, wenn wir in einen Bieterwettstreit mit unseren Wettbewerbern einsteigen. Einen Bieterwettstreit für unseren eigene Firmennamen? Das ist doch absurd!

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Halt, halt, halt! Nochmal zusammen gefasst: Wenn Sie also 10, 20, 30, 40 Jahre in den Aufbau Ihrer Marke investieren, dann kann es sein, dass ein reicher internationaler Konzern in Google auf Ihren Namen bietet und damit die Werbehoheit über die Ergebnisliste für Ihren Namen. Bei Google herrscht also das Recht des Stärkeren! Oder man müsste besser sagen: Das Recht des Reicheren! Dass Google also davon profitiert, dass wir uns zu gewissen Marktthemen gut positioniert haben, ist eigentlich ein Skandal. Was propagieren die Marketingberater (zu Recht)? Sie müssen über Content Marketing versuchen, sich zu Marktthemen zu positionieren (natürlich mit Hilfe entsprechender Budgets für Google). Machen Sie das erfolgreich, so könnte allerdings ein Wettbewerber davon profitieren, indem er einfach auf Ihren Namen bietet. Und hier, finde ich, geht Google eindeutig zu weit.

Das Schlimmste: Ich bin nicht der Einzige! Unsere SEO-Spezialisten haben ausgelesen, dass unser Wettbewerber auf über 45 Agenturnamen bietet. Darunter auch auf einige erfolgreiche und gut positionierte Partner von uns. Ich würde annehmen, dass eine Agentur, die Web-Dienstleistungen anbietet, bessere Möglichkeiten hat, sich zu positionieren. Ist alles, was erlaubt ist, auch redlich? Wir haben mal geschaut, ob BMW auf Mercedes bietet, Apple auf Dell oder Armani auf Prada. Natürlich nicht! Wäre wahrscheinlich auch saupeinlich, wenn das rauskäme! Ich habe mit dem Geschäftsführer der Wettbewerbsagentur gesprochen. Sein Kommentar: „Machen doch alle so!“. Zu seiner Verteidigung muss man sagen, dass er angeboten hat seine SEO-Leute anzuweisen unseren Namen aus der Optimierung rauszunehmen!

Was sagt der BGH dazu? Höchstrichterlich ist entschieden worden, dass diese Art des Bietens auf Firmennamen erlaubt ist, solange „beim durchschnittlichen Nutzer nicht für Verwirrung gesorgt wird“. Was das heißt, weis wohl auch der BGH nicht so genau. Im Endeffekt ist es so, dass die Beweislast auf das „geschädigte“ Unternehmen verlagert wird.  Sorgt die Werbung für Verwirrung muss man klagen!

Ich bin wirklich und ehrlich erschrocken, was offensichtlich in der Welt von Google alles möglich ist. Dass Google mit meinem Firmennamen Geld verdient, hätte ich noch vor wenigen Monaten für unmöglich gehalten. Was kommt als nächstes? Ich bin gewarnt! Und Sie jetzt auch!