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Wie Sie mit Google in einen Bieterwettstreit für Ihren eigenen Firmennamen geraten!


Google bashing ist ja heute Mode! So wie es in den 90-ern hip war, Microsoft als große Bedrohung aufzupumpen oder in den 80-ern IBM. Google die Datenkrake! Bisher hatte ich da eine Art Beißhemmung. Verdiene ich doch Geld mit Leadgenerierung im Web. SEO, SEM, Online Media planen, Webseiten programmieren, Marketing Automation – das ganze Programm.

Jetzt hat Google mir aber, wie die Bayern sagen würden „des Kraut ausgschütt‘!“ Was ist passiert? Warum zähle ich mich plötzlich zu den Kritikern und Mahnern? Es ist etwas passiert, das hätte ich niemals für möglich gehalten: Google verdient mit dem Namen meiner Firma Geld! Wie?

So verdient Google mit IHREM guten Namen Geld !

Meine Agentur besteht seit 20 Jahren. Und in dieser Zeit habe ich viel Zeit, Mühen und vor allem Geld in den Aufbau der Firma und des Namens gesteckt. Was ich nicht für möglich gehalten habe ist, dass Google nun mit diesem Namen Geld verdient. Wie soll das denn gehen, werden Sie fragen? Ganz leicht: Ein Wettbewerber von uns  hat offensichtlich beim Thema Marketing Automation Nachholbedarf. Also haben sich die SEO/SEM-Leute dieser Agentur angesehen, wer da schon ganz gut positioniert ist. Zum Beispiel wir! Was sie jetzt tut, ist Werbung einbuchen, wenn jemand nach unserem Firmennamen sucht. Wenn man also unseren (alten) Firmennamen (Woelke von der Brüggen GmbH – oder Teile davon) eingibt, ploppt ringsum Werbung dieser Agentur mit allen Schlagwörtern zum Thema Marketing Automation oder Leadgenerierung im Web auf. Das ist doch nicht möglich, werden Sie denken. Dachte ich auch. Intensive Recherchen haben ergeben, dass Google es zulässt, solange der Name nicht Teil der Web-Einblendungen ist. Wenn ich also verhindern will, dass unser Wettbewerber als Werbung überall auftaucht, wenn man UNSEREN Namen eingibt, muss ich einfach nur eines tun: Mehr auf meinen EIGENEN Namen bieten. Wo? Natürlich bei Google. Logisch, dass Google das nicht verbietet. Sind sie doch die Einzigen, die etwas davon haben, wenn wir in einen Bieterwettstreit mit unseren Wettbewerbern einsteigen. Einen Bieterwettstreit für unseren eigene Firmennamen? Das ist doch absurd!

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Halt, halt, halt! Nochmal zusammen gefasst: Wenn Sie also 10, 20, 30, 40 Jahre in den Aufbau Ihrer Marke investieren, dann kann es sein, dass ein reicher internationaler Konzern in Google auf Ihren Namen bietet und damit die Werbehoheit über die Ergebnisliste für Ihren Namen. Bei Google herrscht also das Recht des Stärkeren! Oder man müsste besser sagen: Das Recht des Reicheren! Dass Google also davon profitiert, dass wir uns zu gewissen Marktthemen gut positioniert haben, ist eigentlich ein Skandal. Was propagieren die Marketingberater (zu Recht)? Sie müssen über Content Marketing versuchen, sich zu Marktthemen zu positionieren (natürlich mit Hilfe entsprechender Budgets für Google). Machen Sie das erfolgreich, so könnte allerdings ein Wettbewerber davon profitieren, indem er einfach auf Ihren Namen bietet. Und hier, finde ich, geht Google eindeutig zu weit.

Das Schlimmste: Ich bin nicht der Einzige! Unsere SEO-Spezialisten haben ausgelesen, dass unser Wettbewerber auf über 45 Agenturnamen bietet. Darunter auch auf einige erfolgreiche und gut positionierte Partner von uns. Ich würde annehmen, dass eine Agentur, die Web-Dienstleistungen anbietet, bessere Möglichkeiten hat, sich zu positionieren. Ist alles, was erlaubt ist, auch redlich? Wir haben mal geschaut, ob BMW auf Mercedes bietet, Apple auf Dell oder Armani auf Prada. Natürlich nicht! Wäre wahrscheinlich auch saupeinlich, wenn das rauskäme! Ich habe mit dem Geschäftsführer der Wettbewerbsagentur gesprochen. Sein Kommentar: „Machen doch alle so!“. Zu seiner Verteidigung muss man sagen, dass er angeboten hat seine SEO-Leute anzuweisen unseren Namen aus der Optimierung rauszunehmen!

Was sagt der BGH dazu? Höchstrichterlich ist entschieden worden, dass diese Art des Bietens auf Firmennamen erlaubt ist, solange „beim durchschnittlichen Nutzer nicht für Verwirrung gesorgt wird“. Was das heißt, weis wohl auch der BGH nicht so genau. Im Endeffekt ist es so, dass die Beweislast auf das „geschädigte“ Unternehmen verlagert wird.  Sorgt die Werbung für Verwirrung muss man klagen!

Ich bin wirklich und ehrlich erschrocken, was offensichtlich in der Welt von Google alles möglich ist. Dass Google mit meinem Firmennamen Geld verdient, hätte ich noch vor wenigen Monaten für unmöglich gehalten. Was kommt als nächstes? Ich bin gewarnt! Und Sie jetzt auch!

 


2 Gedanken zu „Wie Sie mit Google in einen Bieterwettstreit für Ihren eigenen Firmennamen geraten!“

  1. Hallo werter Kollege.
    Ja, Google ist alles andere als nicht mehr evil. Maximal fokussierte Profitmaximierung ist dem Credo „don´t be evil“ gewichen.
    Nichts desto trotz ist das Brandbidding zum einen ja ein schon etwas älterer Hut. Zum anderen gibt es rechtlich immer noch die Möglichkeit überprüfen zu lassen, wie sehr die Marke davon wirklich „beeinträchtigt“ wird. Also ist das damit nicht pauschal erledigt.
    Und auch wenn es doof ist sich auf solches Niveau zu begeben: Solche Dinge hören meist schnell auf, wenn man das selber auch tut. Auch ist unsere Erfahrung, dass ein Gespräch unter Wettbewerbern, mit der Bitte das zu unterlassen auch schon oft gefruchtet hat. Schon probiert?
    Aber eine Frage kann ich mir nicht verkneifen: Wenn jetzt Jahrzehnte in die Marke investiert, und deren Trittbrettnutzung so schmerzlich ist, warum dann die Umbenennung? Natürlich kann das Hintergründe haben die mich/ den Leser nix angehen, aber die Frage sollte erlaubt sein ;o) Ansonsten gibt/ soll es ja immer noch Möglichkeiten geben, das Klickbudget von Wettbewerbern zu strapazieren, aber das ist natürlich unlauter ;o) Oder doch nur den Wettbewerber beim Namen nennen, so dass dieser Blog an Stelle zwei bei Google zu derem Brand erscheint ;o)

    1. Ja tatsächlich, habe den Wettbewerber angerufen und ihn gebeten das zu lassen! Er hat mir versprochen das abzustellen. Stimmt die Namensänderung hatte gesellschaftsrechtliche Hintergründe! Ein ehemaliger Gesellschafter hat vor 4 Jahren das Unternehmen verlassen und wollte seinen Namen aus der Firma haben. Blöd! Umso ärgerlicher war es, dass Leute die uns unter dem gut eingeführten Namen jetzt auch noch zu einem Wettbewerber geleitet werden! Gruss

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